Ostseeliga in Gefahr: Kosten explodieren

Von unserem Mitarbeiter
Hans Puckmann

Die Zukunft des Eishockey-Sports im Nordosten ist gegenwärtig noch völlig offen. Der Spielbetrieb soll erhalten bleiben, aber Modus und Teilnehmerzahl sind weiter unklar.

Rostock.Auf einer Zusammenkunft, an der die meisten der aktuell noch aktiven Eishockeyclubs und -abteilungen Mecklenburg-Vorpommerns teilgenommen haben, wurde über die Zukunft des Liga-Spielbetriebs beraten. Immerhin waren ein Jahr nach dem Scheitern der Hanseliga zuletzt auch Stimmen laut geworden, die den Fortbestand der Ostseeliga infrage gestellt hatten.
Nach aktuellem Stand sieht es jedoch danach aus, als sollte es auch in der kommenden Spielzeit wieder eine Landesmeisterschaft in Ligaform geben. Mit den Rostocker Kodiaks, den Malchower Wölfen und den Klinker Wikingern haben zumindest drei der zuletzt noch fünf teilnehmenden Mannschaften signalisiert, weiterhin in einer Ostseeliga nach dem bisherigen Modus spielen zu wollen. Während Landesmeister Rostock Barracudas aufsteigt, hegen lediglich die Neubrandenburg Blizzards unverändert Rückzugsgedanken. Allerdings könnten sich die Viertorestädter einen Meisterschaftsbetrieb in abgespeckter Form vorstellen und hoffen, dass dann eventuell auch weitere Vereine wieder Interesse an Meisterschaftsspielen zeigen.
 Zumindest in Ueckermünde und Heringsdorf wurde bereits signalisiert, dass man in eine Liga mit geringerem finanziellen Aufwand möglicherweise zurückkehren würde. Die Ideen, die dabei zur Sprache gekommen sind, reichen zurück bis zu einer Austragung von mindestens drei Spielen in Turnierform an einem Tag. Solch einen Modus hatte es zuletzt vor zwölf Jahren gegeben. Seit der Saison 2001/02 gibt es die Landesliga als professionell geführte Spielklasse nach dem offiziellem Regelwerk des DEB. Dies wurde seinerzeit mit hohen Zuschauerzahlen sowie einer steigenden Zahl teilnehmender Mannschaften honoriert. Bereits ein Jahr später nahmen zehn Mannschaften am Spielbetrieb teil, in der Saison 2004/05 kämpften sogar elf Teams um den Titel.
Neben dem Wegfall der Güstrower Eishalle als Spielstätte und personellen Problemen haben vor allem die steigenden Kosten für die Vereine dafür gesorgt, dass an der zurückliegenden Saison – neben drei neu gegründeten Teams – mit den Malchower Wölfen und den Klinker Wikingern nur noch zwei der einst elf Teams am Spielbetrieb teilgenommen haben. Zu den finanziellen Belastungen der Vereine gehörten insbesondere die radikal gestiegenen Kosten für die Schiedsrichter, die allein mit mehreren hundert Euro pro Spiel zubuche schlugen. Oft wurden Berliner Schiedsrichter für Spiele in Rostock angesetzt und konnten nahezu 500 Kilometer Reisekosten abrechnen. Bei Rostocker Schiedsrichtern in Heringsdorf waren die Entfernungen kaum geringer. Es entstanden horrende Kosten, für die viele Vereine kein Verständnis mehr aufbringen wollten bzw. konnten.
Ein Überdenken dieser Praxis wäre sicherlich eine praktikable Lösung zur Rettung des Spielbetriebs in seiner bisherigen Form.
In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts, als die Liga regelrecht boomte, fielen kaum Schiedsrichterkosten an, weil die Referees entweder aus der Nähe kamen oder oft sogar jede teilnehmende Mannschaft einen Schiedsrichter stellte und somit überhaupt keine zusätzlichen Kosten entstanden. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob man nicht zur einst bewährten Praxis zurückkehrt, um einen bezahlbaren Ligabetrieb für alle interessierten Vereine zu gewährleisten. Einzige Alternative wäre sonst nur eine Teilung der Liga auf zwei unterschiedliche Ebenen. Dafür jedoch fehlt es an der Quantität, denn so viele Mannschaften wie noch vor sieben Jahren werden nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch wenn schon wieder laut darüber nachgedacht wurde, auch Mannschaften in die Liga zu integrieren, die außerhalb der Landesgrenzen zuhause sind.
Eine einzelne Liga in abgespeckter Form – womöglich in Turnierform oder gar mit verkürzter Spielzeit – kann jedoch nicht im Interesse der verbliebenen, ambitionierten Vereine im Lande sein. Sie wäre vor allem kontraproduktiv im Hinblick auf die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, und somit den Fans und vor allem den Sponsoren nur schwer zu verkaufen. Es wird also noch ein schwieriger Weg werden, die Interessen der Vereine auch künftig unter einen Hut zu bekommen. Vor Ende August oder Anfang September wird keine Entscheidung darüber fallen, wie die neue Ostseeliga aussieht.

Quelle: Nordkurier Artikel vom 28.04.2012